Wie viele Startups gibt es eigentlich in Deutschland? Ob Politik, Medien oder Forschung, alle wollen wissen: Wie groß ist die „Szene“ in Deutschland wirklich? Wir begeben uns auf Spurensuche nach der mysteriösen Zahl der Startups und geben eine Antwort auf eine der brennendsten Fragen im deutschen Startup-Ökosystem.

 

Eine andere Frage erstmal vorweg: Warum ist die genaue Zahl der Startups in Deutschland überhaupt so gefragt? Zum einen hängt das mit der steigenden wirtschaftlichen Relevanz von Startups zusammen. Gerade in internationalen Hotspots wie Berlin hat sich die Startup-Szene längst als Wirtschaftsfaktor etabliert. Zum anderen mausern sich Startups zunehmend zu Hoffnungsträgern für die wirtschaftliche Zukunft des Landes, sowohl was ihre Produkte, als auch ihre Bedeutung für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands angeht.

Trotz der gestiegenen Relevanz von Startups, finden sich bisher jedoch nur wenige verlässliche Informationen über deren genaue Zahl. Das liegt vor allem an Definitionsschwierigkeiten und sehr unterschiedlichen Ansichten darüber, was Startups überhaupt sind.

 

Startup-Definition: Die wenigsten Gründungen sind auch ein Startup

Unter einer Gründung lässt sich als breiteste Definition jede Art der selbstständigen Tätigkeit verstehen. Fasst man den Begriff enger, dann konzentriert man sich eher auf junge Unternehmen. Hier liefern die Entwicklung der Gewerbeanmeldungen sowie der Handelsregistereintragungen Hinweise auf das Gründungsgeschehen. Diese Herangehensweise ist aber noch nicht konkret genug, um allein Startups in den Blick zu bekommen: Denn unter Startups verstehen wir junge Wachstumsunternehmen, die sich durch einen besonders hohen Innovationsgrad und ein skalierfähiges Geschäftsmodell, also ein Geschäftsmodell welches auf schnelles Wachstum ausgelegt ist, auszeichnen.

Weder das neue Umzugsunternehmen um die Ecke, noch die freiberufliche Beraterin sind demnach ein Startup. Eine digitale Plattform, deren Algorithmen Anbieter mit Kunden zusammenbringt, wäre dagegen eindeutig ein innovatives Wachstumsunternehmen. Diesen Unterschied – Gründungen im Allgemeinen und Startups im Besonderen – muss man im Hinterkopf behalten, wenn man über Zahlen und ihre Entwicklung spricht.

 

Es geht bergauf: Mehr Chancengründungen, weniger Notgründungen

Gründungen im Allgemeinen sind in Deutschland nach einer Hochphase bis Mitte der 2000er-Jahre kontinuierlich zurückgegangen. Das gilt sowohl für die berufliche Selbstständigkeit, als auch für Unternehmensgründungen. Auf der einen Seite ist das alarmierend, da neugegründete Unternehmen für die wirtschaftliche Entwicklung einer innovativen Volkswirtschaft von zentraler Bedeutung sind. Andererseits muss man auch hier differenzieren: Die starke Gründungsaktivität in dieser Zeit ist eng mit der hohen Arbeitslosenquote und staatlich geförderten Modellen beruflicher Selbstständigkeit verbunden – Stichwort: Ich-AG.

In den letzten Jahren hat der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt die Gründungswahrscheinlichkeit dementsprechend gebremst. Gleichzeitig hat sich die Qualität neuer Unternehmensgründungen in diesem Zeitraum kontinuierlich erhöht: So zeigt sich, dass so genannte Notgründungen stark rückläufig sind. Gleichzeitig verzichten immer mehr gut ausgebildete Menschen auf eine sichere Anstellung und wagen das Risiko einer Gründung, um ihre innovativen Ideen zu verwirklichen. Die Verdopplung des Anteils der Chancengründungen seit 2008 deutet darauf hin, dass insbesondere Startups an Relevanz gewinnen (siehe Grafik).

 

Hauptgrund für Existenzgründungen

 

Wie viele Startups sind es denn nun?

Ein aktueller Report der KFW bestätigt diese Vermutung: Demnach ist die Anzahl der Startups zwischen 2016 und 2017 entgegen des allgemeinen Negativtrends deutlich angestiegen. Das dortige Ergebnis von heute 12.500 Startups kommt unserer eigenen Schätzung sehr nahe und zeigt, dass innovative Wachstumsunternehmen trotz ihrer enormen wirtschaftlichen Bedeutung nur einen kleinen Teil der Gründungen ausmachen.

Wie viele Startups gibt es also nun in Deutschland? Die 12.500 Startups aus der KFW-Studie scheinen uns aber doch etwas hoch gegriffen. Dafür spricht vor allem die niedrige Quote der Akademiker/-innen in der Untersuchung. Nicht einmal die Hälfte der Startup-Gründer/-innen hat demnach einen Hochschulabschluss – laut den Ergebnissen des Deutschen Startup Monitors liegt der Anteil der Akademiker/-innen dagegen bei gut 80%. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass sich hinter dem genannten Wert einige Unternehmen verbergen, die keine Startups im engeren Sinne sind. Mit einer strengeren Startup-Definition im Rücken gehen wir auf Basis des Rücklaufs bei unserer jährlichen Umfrage, dem Deutschen Startup Monitor, daher von etwa 9.000 Startups in Deutschland aus.

Aber ganz unabhängig davon, wie eng man die Definition fasst und wo genau sich die Anzahl einpendelt: die Dynamik im deutschen Startup-Ökosystem nimmt zu. Umso wichtiger ist es also, unsere Gründer/-innen, die mit ihren Innovationen die Zukunft gestalten, noch besser zu unterstützen.

 

 

INSIDE ist das Magazin des Bundesverbandes Deutsche Startups e.V. (Startup-Verband). Der Startup-Verband ist Repräsentant und Stimme der Startups in Deutschland und engagiert sich für gründerfreundliche Rahmenbedingungen. Im Dialog mit Entscheidungsträgern in der Politik erarbeitet er Vorschläge, die eine Kultur der Selbstständigkeit fördern und die Hürden für Unternehmensgründungen senken. Der Startup-Verband wirbt für innovatives Unternehmertum und trägt die Startup-Mentalität in die Gesellschaft. Als Netzwerk verbindet er Gründer, Startups und deren Freunde miteinander.

Wenn du an einer Mitgliedschaft im Startup-Verband interessiert bist, erfährst du hier etwas über die Vorteile einer Mitgliedschaft und kannst hier die Mitgliedschaft beantragen.


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