Der Anteil von Gründerinnen in Deutschland beträgt 14,6 Prozent. Klingt ganz schön wenig? Ist es auch. Und auch im internationalen Vergleich sehen die Zahlen zu Startup-Gründerinnen nicht viel besser aus. Im vergangenen Juni haben wir vom Startup-Verband gemeinsam mit unserem Partner Google for Entrepreneurs den ersten Female Founders Monitor (FFM18) veröffentlicht. Warum wir uns trotz des geringen Anteils von Gründerinnen für eine eigene Studie zum Thema entschieden haben? Hier erklären wir es!

 

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Mit 14,6 Prozent Anteil am deutschen Startup-Ökosystem kann man von Gründerinnen ohne schlechtes Gewissen als Minderheit sprechen. Diese Zahl ist zwar allein schon erschreckend genug, dennoch zeigen auch andere Ergebnisse aus dem FFM18 ein Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen: Gründerinnen bekommen beispielsweise für ähnliche Geschäftsmodelle weniger Kapital als ihre männlichen Kollegen. Grund dafür sind häufig Vorurteile und plumpe Geschlechterstereotype. Diesen Zusammenhang zeigt unter anderem eine Studie der Harvard University auf: Nicht nur, dass Frauen mit den gleichen Qualifikationen und einem ähnlichen Pitch schlechter bewertet werden als ihre männlichen Konkurrenten, auch die Einschätzung der Charaktereigenschaften fällt verdreht aus: Gelten Männer oft als mutig und visionär, werden Frauen mit einem ähnlichen Auftreten als naiv und unerfahren abgekanzelt. Die Gründerszene ist klar männlich dominiert. Punkt. Mit dem FFM18 wollen wir auf dieses Problem hinweisen, die Herausforderungen von Gründerinnen verdeutlichen und innovative Gründerinnen vorstellen. Uns geht es aber nicht bloß darum, den Status Quo darzustellen, sondern auch mehr Frauen zum Gründen zu ermutigen.

 

Wozu das alles: Kann denn nicht alles so bleiben wie es ist?

Manch einer mag nun einwenden, dass das Startup-Ökosystem in Deutschland auch mit einem geringen Anteil weiblicher Gründerinnen ziemlich gut dasteht. Also warum etwas ändern, wenn es doch eigentlich auch ohne Gründerinnen ganz gut läuft?

Wir vom Startup-Verband und unser Partner Google for Entrepreneurs setzen uns dafür ein, dass alle Gründer und Gründerinnen die gleichen Chancen haben, egal wo sie herkommen, oder welches Geschlecht sie haben. Betrachtet man den Umstand, dass Frauen mittlerweile ebenso gut ausgebildet sind wie Männer, dann lässt der geringe Anteil von Gründerinnen auf Faktoren und Hindernisse schließen, die dieser Gleichheit im Wege stehen. Für uns ein Befund, der uns Sorge bereitet und den wir so nicht hinnehmen wollen. Zum anderen ist der geringe Anteil von Gründerinnen auch in der volkswirtschaftlichen Perspektive problematisch: Wenn Frauen weiterhin nur marginal vorkommen, dann geht nicht nur der Gründerszene, sondern auch der Volkswirtschaft großes Potential verloren.

 

Was wir dagegen unternehmen

Mit dem ersten Female Founders Monitor haben wir nicht nur die Gründerinnen-Szene vermessen und begutachtet, sondern auch eine Bühne für innovative Gründerinnen mit tollen Geschäftsideen und ihre Geschichten geschaffen. Wir wollen allen Frauen vermitteln: Auch in der „Männerdomäne Startup“ gibt es Frauen, die sich trauen zu gründen und ihren männlichen Kollegen dabei in nichts nachstehen. Wir wollen weibliche Vorbilder für andere Frauen sichtbar machen und mehr Frauen ermutigen, ihre Geschäftsidee selbst in die Hand zu nehmen. Neben dem Female Founders Monitor setzt sich außerdem das Startup-Unternehmerinnen-Netzwerk unter der Schirmherrschaft von Brigitte Zypries für ein frauenfreundliches Startup-Ökosystem ein und vertritt die Interessen von Gründerinnen in der Öffentlichkeit. Seit letztem Jahr haben wir in unserer Vereinssatzung zudem festgelegt, nicht mehr an Panels teilzunehmen, auf denen nur Männer sprechen. „Ohne Frauen auf dem Panel, ohne den Startup-Verband“ ist seitdem unsere Devise.

 

Gibt es denn Grund zur Hoffnung?

Ja, es gibt Grund zur Hoffnung. In den Daten zum Deutschen Startup Monitor (DSM) sehen wir seit Jahren einen leichten, aber kontinuierlichen Anstieg von Gründerinnen. Dieser ist zwar mit durchschnittlich 1 Prozent nicht immens, ist für uns aber ein Grund zur Freude. Zudem findet vermehrt ein Umdenken statt, was die Vernetzung von Gründerinnen untereinander und zwischen Gründern und Gründerinnen angeht. Die erhöhte Aufmerksamkeit für das Thema und die Sichtbarkeit von erfolgreichen Gründerinnen sind zudem erste Schritte, um Stereotypen entgegen zu treten und vorhandene Strukturen zu überwinden. Wir sind uns aber im Klaren, dass es noch ein langer Weg ist.

Den Female Founders Monitor haben wir also nicht trotz des geringen Anteils von Gründerinnen im Startup-Ökosystem ins Leben gerufen, sondern genau deswegen. Gründerinnen in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken, Probleme und Herausforderungen hervorzuheben und Frauen zum Gründen zu ermutigen, das war unser Ziel. Mit dem Female Founders Monitor 2019 werden wir auch in Zukunft dieses Ziel fest im Blick haben und die Entwicklung hin zu einem ausgeglichenen Verhältnis von Männern und Frauen in der Startup-Welt vorantreiben.

 

Der Female Founders Monitor 2018 steht hier zum kostenlosen Download bereit. Die Geschichten unserer Gründerinnen findet ihr auf dem offiziellen Instagram-Kanal des Startup-Verbands unter @startupverband.

 

 

INSIDE ist das Magazin des Bundesverbandes Deutsche Startups e.V. (Startup-Verband). Der Startup-Verband ist Repräsentant und Stimme der Startups in Deutschland und engagiert sich für gründerfreundliche Rahmenbedingungen. Im Dialog mit Entscheidungsträgern in der Politik erarbeitet er Vorschläge, die eine Kultur der Selbstständigkeit fördern und die Hürden für Unternehmensgründungen senken. Der Startup-Verband wirbt für innovatives Unternehmertum und trägt die Startup-Mentalität in die Gesellschaft. Als Netzwerk verbindet er Gründer, Startups und deren Freunde miteinander.

Wenn du an einer Mitgliedschaft im Startup-Verband interessiert bist, erfährst du hier etwas über die Vorteile einer Mitgliedschaft und kannst hier die Mitgliedschaft beantragen.

 


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