Von Dr. Michael Brandkamp, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds

 

Katastrophen, Hunger und Armut dominieren die Meldungen über den vielfältigen Kontinent und lassen die positive wirtschaftliche Entwicklung Afrikas in den Hintergrund treten. Ein großer Fehler! Die Volkswirtschaft des Kontinents wächst mit 3,1 Prozent ebenso stark wie die Weltwirtschaft – mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Prognosen bis 2020 für Afrika ein weiteres Wachstum von 3,6 Prozent vorhersagen. Für die Weltwirtschaft hingegen werden nur noch 2,9 Prozent prognostiziert. Die afrikanische Bevölkerung ist jung und wird von 1,26 auf 2,5 Milliarden in 2050 anwachsen. Urbanisierung, Ausbau der Infrastruktur und ein wachsender Dienstleistungssektor führen zu einer erstarkenden, gebildeten Mittelschicht, die weder Entwicklungshilfe braucht noch wünscht.

 

Zeiten des Um- und Aufbruchs sind Gründerzeiten

Getrieben durch die Digitalisierung entstehen neue Märkte, die stark von Innovationssprüngen, dem sogenannten Leapfrogging, geprägt sind – so erübrigt sich beispielsweise teure Festnetzinfrastruktur, da alles ohnehin „mobile“ abläuft. Zeiten des Um- und Aufbruchs sind Gründerzeiten. Zwar dürfen wir die überaus großen Herausforderungen nicht verschweigen, doch gerade aus diesen können sich Chancen ergeben. Neue Ideen, Strukturen und Technologien, die zur Lösung von großen Problemen beitragen, Industrien verändern und neue Märkte prägen.

 

In vielen Ländern Afrikas werden ganze Dienstleistungszweige neu erfunden.

Inkubatoren und Co-Working Spaces haben in Städten wie Kapstadt, Nairobi, Lagos oder Accra schon seit einiger Zeit ihre Tore geöffnet. Sie sind sichtbare und vor allem erlebbare Zeichen des Wandels. Im Jahr 2016 akquirierten Forbes zufolge alle Tech-Startups aus afrikanischen Ländern insgesamt 129 Millionen US-Dollar Venture Capital – 2017 waren es sogar 195 Millionen. Die afrikanische Startup-Szene entwickelt sich spürbar positiv und nimmt Fahrt auf. Klar ist allerdings auch: Insgesamt steht diese Entwicklung noch ganz am Anfang – beispielsweise in Bezug auf die Verfügbarkeit von Risikokapital, die Entrepreneurship-Kultur und den Dealflow. Doch das Gründerzeitalter ist auch in Afrika angebrochen, die Zeit ist reif für Startups und Venture Capital. Jetzt ergeben sich attraktive Möglichkeiten für risikofreudige Investoren, für große Unternehmen und Gründer aus Deutschland, die den Schritt in die Internationalisierung wagen.

Doch dazu benötigen wir nicht nur Kapital, sondern vor allem Netzwerke, die Vertrauen und Verständnis schaffen – und ein breites, gesamtgesellschaftliches Umdenken, dass die neu erwachsenden Chancen in den Vordergrund stellt.

 

Über den Autor

Michael Brandkamp hat an der University of Nairobi “Economics and Cultural Anthropology” studiert. Inzwischen hat er 10 Länder in Afrika besucht: Ägypten, Tunesien, Marokko, Gambia, Ghana, Kenia, Uganda, Sudan, Tansania und Südafrika. Er ist seit der ersten Stunde beim High-Tech Gründerfonds und hat auch den wesentlichen Teil des Businessplans verfasst, der dem HTGF bis heute zugrunde liegt. Den Aufbau des HTGF betrachtet er als unternehmerische Herausforderung und zugleich als besonderes Privileg.

 

INSIDE ist das Magazin des Bundesverbandes Deutsche Startups e.V. (Startup-Verband). Der Startup-Verband ist Repräsentant und Stimme der Startups in Deutschland und engagiert sich für gründerfreundliche Rahmenbedingungen. Im Dialog mit Entscheidungsträgern in der Politik erarbeitet er Vorschläge, die eine Kultur der Selbstständigkeit fördern und die Hürden für Unternehmensgründungen senken. Der Startup-Verband wirbt für innovatives Unternehmertum und trägt die Startup-Mentalität in die Gesellschaft. Als Netzwerk verbindet er Gründer, Startups und deren Freunde miteinander. 

 

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