Die Immobilienbranche ist mit über 800.000 Unternehmen und ca. vier Millionen Beschäftigen einer der größten Wirtschaftszweige und – gemessen an der Wertschöpfung – eine der dynamischsten Wachstumsindustrien Deutschlands. Lange Zeit hatte die Branche einen traditionellen gar konservativen Ruf, ihr wurde ein großes Aufholpotenzial in diesem Gebiet nachgesagt.

Doch die Welten des klassischen Immobiliensektors und die der PropTechs liegen gar nicht so weit auseinander. Eine Umfrage des ZIA zum Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft kam zu dem Ergebnis, dass beide Branchen die gleichen Potenziale sehen, vor allem in den Bereichen Datenstrukturierung, Data Mining, mobile Arbeitsgeräte und Cloud-Technologien.

 

PropTechs revolutionieren den Immobilienmarkt

Zahlreiche Startups beschäftigen sich inzwischen mit der Planung, Realisierung, Vermietung, Verwaltung und dem Verkauf von Immobilien. Die PropTech-Fachgruppe des Bundesverbandes der Deutschen Startups e.V. hat bereits 58 Unternehmen identifiziert, die diesen Bereich revolutionieren und digitalisieren. Nicht nur mehr Gründungen werden verzeichnet, den Firmen gelingt es auch immer besser und schneller Kapital aufzutreiben. Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young wurden 2017 in Deutschland 33 Millionen Euro an Risikokapital in die PropTechs investiert. Im direkten Vergleich zu den FinTechs mit 332 Millionen Euro, ist dies noch eine überschaubare Investitionshöhe, aber je weiter die Digitalisierung der Branche fortschreitet, desto interessanter wird es für die potenziellen Geldgeber und desto höher das investierte Kapital.
Mittlerweile sind Risikokapitalgeber auf die Branche aufmerksam geworden und es werden Fonds geschaffen, wie MetaProp oder Thrive Capital, die in das Segment PropTech investieren.

 

Die Zukunftsvisionen der Immobilienbranche

In der Vergangenheit nutzte die Immobilienwirtschaft vornehmlich digitale Lösungen im Geschäftskundenbereich, um interne Prozesse zu optimieren und Kosten zu sparen. Inzwischen schwappen die intelligenten Softwarelösungen auch in den B2C-Bereich und richten sich hauptsächlich an private Vermieter und Immobilienbesitzer. Der Markt ist mit einem Anteil von 65 Prozent an privatem Immobilieneigentum nicht gerade klein und somit vielversprechend, um neue Geschäftsideen zu etablieren.

Ein Startup, das die Digitalisierung der privaten Immobilienverwaltung vorantreibt, ist das Berliner Unternehmen Vermietet.de. Das 2016 gegründete PropTech ist zwar noch recht neu auf dem Markt, hat es aber innerhalb von zwei Jahren geschafft, einer der wichtigsten Player in der Szene zu werden. CEO Jannes Fischer, der dem Rocket-Internet-Universum entstammt, ist es letztes Jahr gelungen hochkarätige Investoren (u. a. Axa Deutschland und die Deutsche Bank) von seiner Geschäftsidee zu überzeugen: Die Verwaltung und Bewirtschaftung von Immobilien so einfach und intelligent wie möglich zu machen. Egal, ob es Mieteingänge, Nebenkostenabrechnungen oder das Verwalten von Mieterdaten geht, die Plattform deckt alle Vorgänge ab, die mit der Immobilienverwaltung einhergehen. Klassische Tätigkeiten, die früher von Hausverwaltungen übernommen wurden und jetzt von Vermietern problemlos in Eigenregie getätigt werden können.

Jedoch ist damit der Zukunfts- und Digitalisierungsgedanke noch nicht zu Ende gedacht: Fischer ist davon überzeugt, dass es möglich sein wird eine All-in-one-Lösung für das Management von Immobilien zu schaffen. Das Inserieren eines Objektes, die Mietersuche sowie das Beauftragen von Handwerkern und Dienstleistern wird zukünftig auf einer Plattform möglich sein. Ziel muss es sein, alle Beteiligten intelligent mit einer Cloud-Lösung zu vernetzen.

 

Transparenz schaffen beim Investment „Immobilie“

Bei Aktien und Anleihen ist es mittlerweile selbstverständlich den aktuellen Wert und die Rendite bequem im Onlinebanking abzurufen. Viele Vermieter vergessen jedoch, dass auch eine vermietete Immobilie in erster Linie ein Investment ist. Die nötige Transparenz hinsichtlich Wert und dessen Steigerung ist noch nicht umfangreich gegeben. Auch hier hat Fischer bereits die Chance der Digitalisierung genutzt und stellt Eigentümer eine SaaS-Lösung zur Verfügung. Die so gewonnen Daten schaffen die nötige Transparenz, um die Immobilie als Kapitalanlage zu begreifen und auch in diesem Sinne zu verwalten.

 

Über die Autorin

Anika Donner ist Senior Content-Managerin beim Berliner Startup Vermietet.de, das seit 2016 die Digitalisierung der Immobilienverwaltung vorantreibt. Sie setzt sich bereits seit geraumer Zeit mit der PropTech-Szene und ihren Auswirkungen auf die Immobilienbranche auseinander.

 

INSIDE ist das Magazin des Bundesverbandes Deutsche Startups e.V. (Startup-Verband). Der Startup-Verband ist Repräsentant und Stimme der Startups in Deutschland und engagiert sich für gründerfreundliche Rahmenbedingungen. Im Dialog mit Entscheidungsträgern in der Politik erarbeitet er Vorschläge, die eine Kultur der Selbstständigkeit fördern und die Hürden für Unternehmensgründungen senken. Der Startup-Verband wirbt für innovatives Unternehmertum und trägt die Startup-Mentalität in die Gesellschaft. Als Netzwerk verbindet er Gründer, Startups und deren Freunde miteinander.

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