Seit 2017 unterstützt das, durch den Bundesverband Deutsche Startups ins Leben gerufene und durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderte, German Indian Startup Exchange Program (GINSEP) nun schon deutsche und indische Startups bei dem Markteintritt in das jeweilig andere Land. Mehr als 300 Startups haben seit Beginn des Projektes durch B2B Formate, Pitching Events und Delegationsreisen Unterstützung bei der Markterschließung und der Geschäftsanbahnung erhalten. Unter ihnen auch das deutsch-indische Startup BlinkIn, das 2018 mit Hilfe GINSEPs während der Hannover Messe zum ersten Mal ihr Geschäftsmodel einem breiten Publikum vorstellten. Seitdem ist das Startup kontinuierlich gewachsen und hat es kürzlich aufgrund des positiven Beitrags bei der Eindämmung des Corona-Ausbruches in Wuhan bis in die internationale Presse geschafft.

Sei es auf persönlicher, sozialer oder beruflicher Ebene – das neuartige Coronavirus beeinflusst unser aller Leben. Abgesehen von den individuellen Kosten, macht sich die Krise zusehends auch bei Startups bemerkbar: Nach einem aktuellen Bericht des Bundesverbandes Deutscher Startups über die Auswirkungen der Corona-Krise auf das Startup-Ökosystem wird die aufkommende Rezession vor allem die Existenz von Startups bedrohen. Viele Startups sind insbesondere schwer von der Krise betroffen, weil langfristige finanzielle Reserven kaum vorhanden sind. Auch Investoren stehen vor schwierigen Entscheidungen: Bereits zugesagte Investitionsrunden durchzuführen oder Startups mit Zukunftsperspektiven aus dem aktuellen Investitionsportfolio mit zusätzlichen Mitteln zu stärken. Der Bericht macht deutlich, dass ein schnelles und entschlossenes Handeln erforderlich ist, um ein „Startup-Sterben“ in Deutschland zu verhindern.

Mit KI und AR durch die Corona-Krise

Anders als viele andere Startups profitiert BlinkIn von der Corona-Krise und konnte mit Hilfe ihrer technischen Lösung dabei helfen den Ausbruch in Wuhan einzudämmen. BlinkIn unterstützt den Wandel von analog zu digital. Das von Harshwardhan (Harsh) Kumar, Nitin Kumar und Dhiraj Choudhary in Indien zusammen mit dem in Deutschland ansässigen Josef Süß gegründete Unternehmen BlinkIn hat eine visuelle Fernüberwachungs- und Navigationslösung auf Basis von KI & AR entwickelt. „Mit Hilfe unserer Lösung sind wir vor Ort, ohne wirklich dort zu sein“, sagt Josef Süß, Mitgründer von BlinkIn. „Zu diesem Zweck bieten wir zwei technische Lösungen an – Scotty und Houston -, die mittlerweile in 43 Ländern in 19 Sprachen eingesetzt werden“, führt er weiter aus.

Benannt nach der Star Trek-Figur „Scotty“, „beamt“ die AR-Lösung von BlinkIn technische Unterstützung dorthin, wo sie benötigt wird, und ermöglicht direkten Mensch-zu-Mensch Remote-Support über ein einfaches Smartphone. „Houston“, benannt nach dem berühmten Satz „Houston wir haben ein Problem!“, ist ein auf künstlicher Intelligenz basierendes Selbstbedienungssystem, das mit Hilfe eines virtuellen Agenten bei der Behebung von technischen Problemen unterstützt. Auf diese Weise ermöglicht BlinkIn eine schnelle und effiziente Unterstützung über (Landes-)Grenzen hinweg und ermöglicht die Bereitstellung menschlichen Fach- und Erfahrungswissens überall auf der Welt.

Es überrascht nicht, dass die Bedeutung von KI- und AR-gestützten Lösungen in Zeiten von COVID-19 zugenommen hat. Eine der Erfolgsgeschichten von BlinkIn ist ihre jüngste Beteiligung bei der Eindämmung des  Corona-Ausbruches in Wuhan. Huber & Ranner, ein in Deutschland ansässiger Hersteller von Luftbehandlungssystemen, ist einer der ersten Kunden der Produkte von BlinkIn. Das Unternehmen setzt die BlinkIn Lösungen bei der Einrichtung und Wartung von Lüftungsgeräten ein, die unter anderem auch an das Krankenhaus in Wuhan geliefert wurden. „Aufgrund bestehender Reisebeschränkungen wurde unsere ferngesteuerte Technologie eingesetzt, um einer Gruppe qualifizierter deutscher Ingenieure den virtuellen Zugang zum Krankenhaus in Wuhan zu ermöglichen und dem Personal vor Ort bei der Installation der Anlagen zu helfen“, so Joseph Süß. „Wir ersetzen mit unserer Lösung nicht Menschen, sondern helfen und unterstützen sie remote bei der Lösung von Problemen“, betont Josef Süß weiter. 

„Die Menschen werden erkennen, dass man auch virtuell gut arbeiten kann“

Auf die Frage nach seiner Person und Tipps für Unternehmensgründungen während der Corona-Krise antwortet Josef: „Ich bin weniger ein klassischer Manager, sondern durch und durch Unternehmer, was mir dabei hilft das große Ganze zu sehen. Unser Augenmerk liegt zunächst auf der Lösung eines Problems und nicht auf der reinen Gewinnmaximierung. Deshalb glaube ich, dass gute und flexible Startups die Corona-Krise überwinden werden. Dies wird auch der Digitalisierung Rückenwind geben, da die Menschen erkennen, dass man auch virtuell gut arbeiten kann.“ 

Um ihr Wachstum zu forcieren und weiter zu internationalisieren, ohne dabei ihr Tagesgeschäft und die guten Beziehungen zu bestehenden Kunden zu vernachlässigen, sucht das deutsch-indische Startup derzeit nach Investitionen. „Unser bisheriges Mantra lautete: ‚Lass uns so weit wie möglich auf eigene Faust gehen und nur dann Investoren ins Boot holen, wenn wir das Gefühl haben, Chancen liegen zu lassen.‘ Angesichts der zunehmenden Geschäftsmöglichkeiten haben wir uns nun entschlossen, externe Mittel einzuwerben“, sagt Joseph Süß.

GINSEP stand dem Startup in den letzten zwei Jahren stets beratend zur Seite. “Wir haben von dem Netzwerk und den von GINSEP angebotenen Veranstaltungen von Anfang an profitiert“, betont Joseph Süß. Aber auch GINSEP greift regelmäßig auf das Wissen von Joseph und seinen Mitgründer zurück. Auf GINSEP Veranstaltungen informiert das Startup über Möglichkeiten im deutsch-indischen Startup-Kontext erfolgreich zu sein. „Wir sind durch und durch ein deutsch-indisches Startup und können daher Startups, die in einem ähnlichen Kontext tätig sind, eine Menge Beratung anbieten“, sagt Joseph Süß abschließend.

INSIDE ist das Magazin des Bundesverbandes Deutsche Startups e.V. (Startup-Verband). Der Startup-Verband ist Repräsentant und Stimme der Startups in Deutschland und engagiert sich für gründerfreundliche Rahmenbedingungen. Im Dialog mit Entscheidungsträgern in der Politik erarbeitet er Vorschläge, die eine Kultur der Selbstständigkeit fördern und die Hürden für Unternehmensgründungen senken. Der Startup-Verband wirbt für innovatives Unternehmertum und trägt die Startup-Mentalität in die Gesellschaft. Als Netzwerk verbindet er Gründer, Startups und deren Freunde miteinander. Wenn du an einer Mitgliedschaft im Startup-Verband interessiert bist, erfährst du hier etwas über die Vorteile einer Mitgliedschaft und kannst hier die Mitgliedschaft beantragen.


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