Ein Gastbeitrag von Eileen Trenkmann

 

Am indischen Markt scheiden sich seit Jahren die Geister. „Zu bürokratisch!“, „Politisch zu unsicher!“, „Riesiges Marktpotenzial!“, sind nur einige der widersprüchlichen Aussagen, die man im Zusammenhang mit Indien regelmäßig hört. 

 

Mit rund 1,3 Milliarden Menschen ist Indien das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung und verfügt nicht nur über viele Fachkräfte, sondern auch einen großen Markt an potentiellen Konsumenten. Der indische Markt ist mit einem riesigen Schritt direkt in das mobile Zeitalter gewandert und hat z. B. die Desktop-Phase regelrecht übersprungen. Laut diverser Hochrechnungen wird es in den kommenden Jahren ca. 730 Millionen Internetzugänge sowie eine hohe Smartphone Penetration in Indien geben. Dadurch finden sich viele neue Ideen und kreative Lösungsansätze im Bereich der mobilen Apps. Darüber hinaus ist Indien eine junge Nation. Mehr als die Hälfte der Einwohner ist jünger als 25 Jahre und zwei Drittel sind unter 35. Diese Umstände sowie die wachsende Mittelschicht machen Indien als Wachstumsland für Startups äußerst attraktiv.

 

Langwierige Bürokratieprozesse und mangelhafte Infrastruktur hielten Indien bisher davon ab, von seinen Standortvorteilen zu profitieren. 

Die indische Regierung hat die Bedeutung von Unternehmen und Startups für den Aufbau der eigenen Wirtschaft erkannt und gesetzliche Vorschriften in den letzten Jahren Schritt für Schritt vereinfacht. Darunter fällt auch der „Start-up India Action Plan“, den Ministerpräsident Modi Anfang 2016 vorstellte: eine 19-Punkte-Liste, die erhebliche Unterstützung für Gründer verspricht, etwa in Form eines Gründerfonds, Steuernachlässen und Erleichterungen im Gründungs- und Finanzierungsbereich. Unter dem Deckmantel InvestIndias wurde das Startup India Hub gegründet, eine Plattform, die Startups, Investoren, Inkubatoren, Acceleratoren, Dienstleister und politische Akteure zusammenbringt und verschiedene Startup-relevante Informationen bereitstellt.

Gleichzeitig hat die indische Regierung eine Reihe von Bestrebungen unternommen, die eigene Wirtschaftskraft zu fördern und ein eigens für Entrepreneurship und berufliche Bildung eingerichtetes Ministerium gegründet, das insbesondere Startups unterstützen soll.  Initiativen, wie ‚Skill India‘, ‚Make in India‘ und ‚Startup India‘, wurden ausgerufen und sollen diese Ambitionen noch unterstreichen. Damit wurden erstmals Bestrebungen unternommen, eine Harmonisierung der Gesetze für Startups zu erreichen und mehr Unternehmertum zu fördern.

Mittlerweile blüht die Startup Kultur in Indien immer weiter auf und wird auch zunehmend für Unternehmer aus Europa interessant. Besonders die Tech-Metropolen Delhi und Bengaluru – schon heute als „neues Silicon Valley“ bekannt – ziehen viele internationale und nationale Startups an. Aber auch Städte wie Mumbai, Pune, Hyderabad und Chennai gewinnen immer mehr an Attraktivität. Gleichzeitig gibt es inzwischen eine Vielzahl gut funktionierender Inkubatoren und Acceleratorprogramme. Dadurch wird Indien als Standort auch für internationale Startups immer interessanter. Nicht umsonst führen Inkubatoren wie T-Hub oder Zone Startups schon heute Markteintrittsprogramme für internationale Startups durch. Nichtsdestotrotz scheitern nach wie vor viele Unternehmen und Startups an der hiesigen indischen Bürokratie.

Während der indische Startup Sektor in den letzten 10 Jahren insbesondere durch viele Neugründungen gekennzeichnet war, deuten mittlerweile einige Indikatoren darauf hin, dass das indische Startup Ökosystem reifer geworden ist. Mit der Akquisition Flipkarts durch Walmart hat ein indisches E-Commerce Startup erstmals einen Milliarden Dollar Exit hingelegt. Weitere große Exits werden in den kommenden Jahren folgen.

 

Über GINSEP

Das German Indian Startup Exchange Program (GINSEP) ist eine nicht-monetäre Plattform des Bundesverbandes Deutsche Startups e.V.(Startup-Verband), welche durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wird. Ziel des GINSEP ist die strukturierte Vernetzung des indischen und deutschen Startup-Ökosystems. Das Pilotprojekt läuft ab Oktober 2017 bis August 2019.

 

 

INSIDE ist das Magazin des Bundesverbandes Deutsche Startups e.V. (Startup-Verband). Der Startup-Verband ist Repräsentant und Stimme der Startups in Deutschland und engagiert sich für gründerfreundliche Rahmenbedingungen. Im Dialog mit Entscheidungsträgern in der Politik erarbeitet er Vorschläge, die eine Kultur der Selbstständigkeit fördern und die Hürden für Unternehmensgründungen senken. Der Startup-Verband wirbt für innovatives Unternehmertum und trägt die Startup-Mentalität in die Gesellschaft. Als Netzwerk verbindet er Gründer, Startups und deren Freunde miteinander. 

Wenn du an einer Mitgliedschaft im Startup-Verband interessiert bist, erfährst du hier etwas über die Vorteile einer Mitgliedschaft und kannst hier die Mitgliedschaft beantragen.

 


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